Bon Voyage
Hallo Genossinnen und Genossen, in den letzten Wochen ist so einiges hier passiert. Meine Nachfolgerin ist eingetroffen und hat nach nur einer Woche wieder den Abflug gemacht. Man muss sich auf ein Land wie Indien eben einlassen und nicht mit etlichen Vorurteilen hierher kommen und sich über alles beschweren. Die Vorurteile und der Ärger kommen später ganz von alleine. Trotzdem wünsche ich ihr alles Gute für ihre Zeit in der Kommune Hitiki-Haus.
Zur gleichen Zeit kam auch mein Schatz zu mir. Zusammen war dann Bon Voyage angesagt. Vor zwei Wochen machten wir uns mit dem Bus auf den Weg nach Cochin in Kerala, ein kleiner Ort an der Westküste Indiens. Mit dem Roller erkundeten wir eine der vier Inseln von Cochin. Unser Essensplan bestand hier
ausschließlich aus Seafood. Einfach nur lecker die frisch gefangenen Garnelen, Muscheln, Fische…
Anschließend ging es mit dem staatlichen K.S.R.T.C Bus nach Aleppey, wo das jährliche Nehru-Cup Sneak-Boat-Race stattfand. Dabei treten diverse Dörfer Kerelas gegeneinander in
unterschiedlich großen Booten gegeneinander an. In den Größten von ihnen passen 100 Mann Besatzung rein. Doch dazu später mehr. Zuerst mieteten wir uns ein typisch keralisches Hausboot. Damit ging es einen Tag und eine Nacht durch die Backwaters von Aleppey. Mit an Bord waren noch ein Koch, ein Bootsjunge und der Kapitän. Trotz Regen war es wunderschön durch die immergrüne Landschaft zu tuckern. Immer wieder konnte man Einheimische bei ihrem täglichen Leben beobachten. Abends trafen wir einen Speerjäger, der auf Krebsjagd war. Das einzige was im zu Deutschland einfiel war: „Hitler, GESTAPO, hahaha!“ Erstaunlicherweise passiert mir das immer wieder, dass Dörfler mich auf den Mann mit dem lustigen Bart ansprechen. Naja, egal so sind sie halt die Inder. Auf jeden Fall war die Hausbootfahrt ein Highlight unserer Reise.
Am nächsten Tag fand dann das Rennen statt. Der Zufall wollte es so, dass wir Manu, Anja und Chris trafen, Freunde aus Bangalore. Zusammen ging es dann zum Rennen. Zwei Stunden vor Rennbeginn sicherten wir uns gute Plätze am Zieleinlauf. Wir hatten unterschiedlich teure Karten, was aber egal war, da es nur eine Tribüne gab.
5 Minuten vor Rennbeginn wurden wir von einer euphorischen Menschenmenge fast zerdrückt, da jeder meinte sich nach vorne quetschen zu müssen. Von Rücksicht und Höflichkeit fehlte mal wieder jede spur. So kam es auch, dass sich meine liebe Freundin mit Ellbogenchecks und Leberhaken den Weg zum Klo freigeprügelt hat. Die Boote waren beeindruckend und die Atmosphäre einzigartig. Man muss es mal gesehen haben um mitschwätzen zu können. Nach dem Rennen trafen wir uns noch auf ein, zwei Bierles oder waren es trölf? Danach trennten sich unsere
Wege und wir (Steffi) entschieden uns nach Ooty weiter zu fahren. Gezwungenermaßen mussten wir in Coimbatore einen Zwischenstopp einlegen, da der Weg zu lang war. Am nächsten morgen ging es dann hoch (2350m) nach Ooty. Berühmt für Teeplantagen und seine schöne Berglandschaft, konnte uns dieser Ort jedoch nicht wirklich begeistern. Daher blieben wir nur einen Tag. Da ich meiner Freundin unbedingt noch Tipu Sultans Palace zeigen wollte, ging die Reise weiter nach Mysore. Über diesen schönen Ort mit seinen nervtötenden Menschen habe ich schon mal berichtet („Sir need Rickshaw, Postcards, Flute, Hotel, Haschisch, und noch mal Postcards?“). Neu für mich war es die faszinierende Beleuchtung am Mysore Palace zu sehen.
Endlich ging es nach Goa, nach Palolem. Wie hab ich mich darauf gefreut. Über Mörsch, Malsch, Madrid führen wir 16 Stunden lang in einem löchrigen und überfüllten Bus (da wurde schon mal der Regenschirm aufgespannt…) meinem Traumstrand entgegen.
Doch was wir vorfanden war einfach nur zum Heulen: Grauer bis schwarzer Himmel, Regen pur, abgebaute bzw. verdeckte Bambushütten und in-die-Lagune-scheißende Inder. Toll!!! Daher sind wir noch am gleichen Tag wieder zurück nach Bangalore gefahren.
Während unserer Reise haben wir so ca. 3000km mit dem Bus zurückgelegt, beeindruckende Landschaften gesehen und den ein oder anderen netten Inder kennen gelernt. War ein super Trip, jedoch brauchen wir jetzt Sonne. Daher geht es morgen Abend nach Pondicherry an den Strand. Vielleicht regnet es an der Ostküste nicht so viel. Die Vorhersagen lauten 38°. Schaun ma mal!
Also macht’s mal gut und viel Spaß beim schaffen!
Da saßen wir nun: Ram, Muthu, Sushil und ich. Der Abend hat ja auch gemütlich angefangen mit einem Cocktail. Jedoch kamen wir aus dem philosophieren über Muthus Hochzeit nicht mehr hinaus. Je mehr wir dann getrunken haben, desto mehr wirre Gedanken kamen ans Tageslicht über Sinn und Unsinn von arrangierten Hochzeiten. Ich habe bereits berichtet, dass mein Freund Muthu mit einem Mädel aus einer anderen Kaste zusammen ist.
Wie auch immer. Wir haben ordentlich einen reingelassen, so dass Mr. M. Würfelhusten bekam (im Retro, vorm Retro und daheim in den Eimer). Mr. R. ist barfuss heim gekommen, seine Flip Flops blieben auf der Strecke. Mir ging’s zum Glück nicht ganz so schlecht, daher konnte ich schöne Beweisfotos schießen. Haha!
So ca. 100 Leute aus aller Welt versammelten sich um Unmengen von Alkohol und Sportzigaretten zu konsumieren, dabei abzutanzen und die Neuen willkommen zu heißen. Bis in die frühen Morgenstunden wurde gefeiert. Gegen 13.00Uhr bin ich dann aufgewacht. Meine ersten Gedanken waren: Wo bin ich hier? Was mache ich mit 2 anderen Kerlen im Bett? Wie kam der Hubschrauber hier ins Zimmer (Insider)? – Es waren zum Glück nur Dirk und Chris. Nach 3 Kaffee und 10 Liter Wasser ging es uns einigermaßen wieder gut. Nun ist auch wieder gut mit abfeiern. Aber die nächste Party kommt bestimmt…






Nach diesem Tag ging es früh ins Bett. Wir waren viel zu müde zum Feiern. Außerdem beschlossen wir Mopeds für den nächsten Tag zu mieten.




Die ca. 50 Deutschen wurden ergänzt mit Franzosen, Spaniern, Polen, Italienern, Holländern, Iren, Schweizern, Österreichern und natürlich Indern (hoffe dass ich keine Nation vergessen habe). Die Stimmung war super und friedlich, bis auf einen Selbstmörder Inder, der meinte ständig: „F*ck Germans!“ reinschreien zu müssen. Kam natürlich nicht gut an. Nach einem kurzen, freundlichen Gespräch, verließ er dann den Ort (sonst hätten wir den Dummdödel gelyncht).
Feuchtfröhlich haben wir den deutschen Sieg gefeiert und anschließend gab es Dank Moritz noch eine Afterparty, die um 5 Uhr morgens endete. Die Telefonrunde hat gerade ergeben, dass alle noch am Leben sind, und nur die Stimmbänder (und der Hagen) auf der Strecke geblieben sind. Gute Leistung Männer! 
